Nach allem, was geschehen ist - ihr müsst mir verzeihen - muss ich aus einem tiefen inneren Drang niederschreiben, was mir zu jener Zeit widerfahren ist.

Die stärkste Bindung habe ich zu Abromma vom Südkamm, die mich im fernen Westen aufgezogen hat. Es muss eine sehr schwierige Zeit für meine Sippe gewesen sein damals, doch sie erschien mir als das Kind, das ich war, trotz allem eine Zeit der Sicherheit. Abromma kümmerte sich viel um mich, sogar die schöne blaue Murmel hatte sie extra für mich geschliffen. Ich trauere um all jene, die damals um meinetwillen ihr Leben ließen. Es sollten nicht die letzten gewesen sein.

Die Überfahrt zum Kontinent, den sie hier Eshendar nennen, ist so schwer, dass in hundert Jahren nur einer zurückkommt. Mein Schiff schaffte es dank der überragenden Mannschaft, die der Praiospriester und sein Gefolge uns beschafft hat - doch nur, um kurz vor dem Ziel in schrecklichem Sturm an der Küste des Blütenreiches zerschmettert zu werden. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass seine eigene Kirche zu unserem größten Hindernis bezüglich der Reise geworden war. Er jedoch hat seine Abkehr mit dem Leben bezahlen müssen. Und ich verlor auch die Murmel meiner Mutter.

Überall, wo ich hinkomme, eilen die Prophezeiungen mir voraus. Sie sind wie ein Fluch. Freundliche Menschen, stark in ihrem Herzen, borgen mich daher aus den Trümmern, verbargen mich vor den Augen meiner Verfolger und pflegten mich gesund in der Wildnis des Blütenwaldes.

Dann kamen die schuppigen Menschen mit den Hälsen und Köpfen von grausamen Schlangen, so böse wie die Dämonen, die sie hier Oni nennen. Zum zweiten Mal starben alle die, die ich liebte.
Jeden Tag klage ich jenes grausame Schicksal an, das mich immer und immer wieder von guten Wesen finden lässt, die dadurch leiden müssen! Moriro rettete mein Leben.

Er war nur allein mit mir und dem Kami, der in ihm ist. Um Weisheit zu suchen, fasste er den Entschluss, in die Hauptstadt dieses mir fremden Landes zu reisen, der der Name Chuo gegeben ist. Ich erfuhr, dass Moriro sehr höflich ist und dass viele Einwohner hier ihn deshalb gut behandeln. Er sagte mir, wie wichtig es ist, nach Ehre zu streben, und dass man sie nie in vollkommenem Maße erreiche. Ich bewunderte ihn im Stillen.
Moriro war es auch, der es mich geduldig lehrte, meinen wahren Namen und meine Natur zu verbergen. Nun bin ich zu einem Jungen mit dem Namen Satoichi geworden, und stets trage ich ein Band über den Ohren. Ich muss sagen, dass mir das viel schwerer fällt, als man vielleicht denkt. Jemand anderes zu sein meine ich als der, der ich immer war.

In Chuo


Als wir ankamen, erdrückte uns förmlich der Trubel des Festes der Seefahrer, das am Tag unserer Ankunft stattfand. Moriro fand eine abgelegene Herberge (Ich übersetzte die zwei Zeichen als "Zum Füllhorn") in der Stadt der Schulen und Tempel Chuo-Machinaka.

Im letzten Licht des Tages erbaten wir ein Gespräch mit einem alten Freund der Familie: Dem Hohen und Weisen Gelehrten Yakao der Schule der Deasutashi, der Moriros hinübergetretenem Vater Yakashito einst sehr nahe stand. Moriro wollte ihn wegen neugieriger Ohren nicht in der Schule selbst einweihen, aber der Gelehrte verstand und schlug zum Glück selbst vor, am Abend zum Füllhorn zu kommen. Eine Einladung in dieses mittelmäßige Haus wäre für des Weisen Rang unschicklich gewesen.

Am nächsten Morgen - die Menschenmassen auf den Straßen waren nicht abgeklungen - besuchten wir die sehr weitläufigen Märkte der Stadt, und Moriro erstand einige mit allerlei Seltsamem gefüllte Beutel. Die Stadt Chuo ist sehr wohlhabend, und der gewaltige und prächtige Tempel der Großen Mutter und der Sieben Glücksgötter war nicht das einzige Gebäude hier, das gewaltigen Eindruck auf mich machte. Doch wir bemerkten die Schattenseiten der Zeit sehr schnell - auf Hei Seku war der Krieg gegen den Toten König in ein erbittertes Stadium eingetreten; und der Oberste Beamte war des Verrates am kürzlich verstorbenen Tennó für schuldig befunden und hingerichtet.

Der neue göttliche Herrscher also mit seinen zwölf Jahren ohne einen Obersten Beamten und mit dem Shogun im Krieg schwächer denn je. Dies hielt ihn jedoch nicht davon ab, geradezu unterdrückende Notstandsgesetze zu beschließen. Diese beinhalteten ein hartes Durchgreifen der Stadtwache und eine Abgabepflicht für golddurchwirkte Gewänder (ausgenommen die Stadtwache selbst) und Jade ohne jede Entschädigung. Der neue Tennó ließ sich sogleich ein Denkmal errichten (dabei war er noch nicht einmal den Kami des Himmels geweiht, was hier wohl die Krönung ist) und beendete dabei die traditionsreichen Armenspeisungen zu Festtagen. Und dergleichen mehr. Wir stießen sogar auf eine Gauklertruppe, die eine Komöde mit versteckten Anspielungen auf einen Aufstand gegen die herrschende Ordnung enthielt. In der Nähe reagierten die Goldröcke (die berühmten höherstehenden Soldaten der Chuo-Stadtwache) damit, dass sie ohne Worte einige brennende Scheite auf den offenen Gauklerwagen, der als Bühne diente, warfen. Im Nuh entbrannte ein Feuer und die Menge drängte zurück, während die Stadtwachen grimmig lachend von dannen zogen, obwohl das Feuer durchaus auch Markstände und letztlich vielleicht die ganze Stadt bedrohte. Moriro reagierte entschlossen und brüllte der Menge Kommandos zu, während er selber zu einem Zierteich lief, einen Eimer von einem der Stände mitreißend. Ihm gelang es tatsächlich, viele Menschen in schneller Zeit zum Löschen zu bringen, womit der Besitz der Gaukler zum guten Teil und alles Umstehende vor dem Feuer gerettet wurde. Sie waren wirklich sehr dankbar und luden ihn zu einer Runde bei sich ein. Wir erfuhren, dass sie gar so berühmt waren, dass sie eine Einladung in die unteren Teile des Kaiserpalastes zum Vorspiel besäßen. Nun jedoch wollten sie - entsetzt wie sie waren - die Stadt lieber so schnell es ging verlassen. Sie gaben zu, dass sie aufgrund der harten Verhältnisse hier Kritik mit ihrer Kunst zum Ausdruck bringen wollten. Und doch sei die Geschichte, die sie vorgetragen hatten, auch von historischer Wahrheit.

Um alles zu bekommen, was Moriro will, wagt er sich gar durch die Stadt der Armen, in dem auch die Oni-Berührten leben. Auf der Hauptstraße hier haben Wachen eine Sperre errichtet und verlangen von jedem, der vorbei will, Wegezoll 'zu ihrem Schutz'. Viele ahnen, dass die Diebe des Viertels die Nebenstraßen nun gewiss belagern und zahlen. Moriro wird Zeuge, wie eine verhärmt aussehende Frau von den Wachen aufgefordert wird, 'Dreck vom Boden zu fressen', da sie den Zoll nicht zahlen kann. Er schreitet ein und bezahlt die Münze für sie. Die Wachen reagieren gereizt, aber Moriro lässt sich nicht einschüchtern und sie belassen es dabei. Ich sehe Moriro an, dass er sich Sorgen über die Zustände in der Hauptstadt seines Heimatlandes macht. Nun; ich vermute, jetzt soll das hier wohl auch meine Heimat sein?

Am Abend lädt Moriro den Hohen Gelehrten zu einem Tee und bespricht mit ihm meine Ankunft in einem stillen Garten. Es gibt schöne Gärten in Chuo, und jeder von ihnen wird von seinem eigenen Gärtner gepflegt; der Große Garten vor dem Goldenen Stadtteil sogar von ganz vielen. Yakao sichert seine Unterstützung dabei zu, uns das finden zu helfen, was wir zu suchen hergekommen sind. Er vermutet, in den Schatzkammern des Palastes könnte sich dergleichen befinden. Er besitzt Kontakte in den Palast und will über diese etwas herausfinden. Gleichzeitig äußert auch Yakao seine Sorge darüber, was hier in Chuo eigentlich vor sich geht.

Am nächsten Tag muss Moriro noch ein paar letzte Kleinigkeiten besorgen, versucht sich aber auch ein wenig umzuhören. Dabei gerät er in dramatische Geschehnisse:
Ein sehr unvorsichtiger Händler beschwehrt sich bei Goldröcken, was der neueste Erlass zu bedeuten habe. Er habe dem Reich immer treu gedient und seine Steuern gezahlt, und nun müsse er seinen gesamten Besitz abgeben und arm sterben? Das könnten die Kami nicht wollen. Er bemerkt nicht, dass eine prunkvolle Sänfte mit Leibgarde hinter ihm durch die Menge drängt (diese hatten wir bereits einmal davor beobachtet). Die Sänfte hält an und eine bleiche Hand mit blitzenden Ringen an vier Fingern erscheint und gibt einen Wink. Die Wachen ziehen ihre Waffe und wollen wohl den Händler abführen, doch ihn ergreift Panik und er rennt davon. Zur allseitigen Überraschung springt ein Weißer Panther von gigantischer Größe mit zähnefletschendem Grollen zwischen den Vorhängen der Sänfte hervor und nimmt die Verfolgung auf. Dieses Monster weist ein unnatürliches drittes Auge auf der Stirn auf und seine Umrisse verschwimmen plötzlich, während es direkt neben dem Händler wieder auftaucht und ihm spielerisch mit einem Prankenhieb ernstliche Wunden zufügt. Wir sind bei dieser Szene wie gelähmt, doch Moriro schüttelt dies ab und drängt in Richtung des Händlers, während er mich in die fliehende Menge stößt (worüber ich sauer bin, denn ich wollte dem Mann auch helfen). Er sieht, dass er zu spät kommt und ruft: "In den Brunnen!", und tatsächlich: Der Fliehende springt in den tiefen Brunnen des Marktes - platsch - und der Panther rennt hin und her, faucht herunter; doch der Brunnen ist ihm zu eng. Der Panther wendet sich Moriro zu, und ich schwöre, in seinen drei Augen war die reine Mordlust, und ich roch seine unglaubliche Wildheit. Doch der Mann aus der Sänfte, der Weiße und Schwarze Gewänder trägt (wir sehen sein Gesicht nicht), pfeift ihn zurück und lässt Moriro festnehmen. "Da der Tennó - Sein ist die Ehre - sanft ist, muss auch ich für diesen Gnade walten lassen," spricht der Mann mit kratzender Stimme und deutet auf Moriro, "sein Sterben werde ich daher nur sechs Tage lang währen lassen." Moriro sieht irgendwie blass aus. Er wird von den Goldröcken abgeführt und ich versuchte so unauffällig wie möglich, ihm zu folgen. Zu diesem Zeitpunkt war ich von einer erdrückenden Angst erfüllt.

Das Glück (oder die Kami) kam ihm zu Hilfe: Ein Aufruhr in der Stadt der Armen veranlasste die Moriro bewachenden Goldröcke, ihn an niedere Gardisten zu übergeben "Bringt ihn zum Kaiserpalast!", wobei die Goldröcke (die sich als die Elite und daher wohl als viel wichtiger zur Niederschlagung des Aufstandes sahen) zur Quelle der Unruhe eilten.
Dies nutzte Moriro aus, indem er sich fortan als zu schützende Höhere Person benahm, und die Truppe nahe der äußeren Palastmauern eine Luxusherberge passierte. "Halt! Ich werde in mein Hotel gehen und mich umkleiden. In dieser Aufmachung kann ich ja niemandem gegenübertreten! Ihr seid jetzt entlassen. Von hier aus komme ich unversehrt in den Palast." Seine Bewacher waren verwirrt, Moriro jedoch ging schnurstracks an den Pförtnern vorbei in das Hotel. Dort wartete er - von außen nicht einsehbar - in einem luxuriösen Aufenthaltsraum, bis die Luft rein war, und eilte danach mit mir schnell fort aus der drohenden Nähe des Palastes. Das ging ja gerade noch mal gut! Mir fiel ein Stein vom Herzen.

Doch das sollte an jenem Tag noch nicht alles gewesen sein. Wir wurden Zeuge von der Verlesung der Strafe eines Samurai, der Hauptmann der Wache des Äußeren Palastes gewesen war. Seine komplette Einheit wurde, da sie Gehorsam gegenüber (schätzungsweise grausamen) Befehlen eines gewissen Hohen Zauberers verweigert hatten, zum Tode verurteilt. Doch statt dass die Verurteilten Seppuku begingen, um ihren Ehrverlust wiedergutzumachen, hatten sie sogar die Flucht aus der Stadt gewagt, was ihnen teilweise gelang. Zahlreiche weniger glückliche Palastwachen waren bereits gerichtet worden ("...der Gerechtigkeit des göttlichen Herrschers zugeführt."). Nur der Samurai allein sollte in aller Öffentlichkeit als Exempel geköpft werden. Moriro drängte sich vor, abermals mir befehlend, zurückzubleiben (nur die Dringlichkeit seines Tones hielt mich davon ab, dem zuwider zu handeln).
Doch bevor die Strafschrift ganz verlesen war, tauchte auf einmal ein Luftschiff im Sinkflug auf, mit dem Banner der Palastwache. Moriro rief nach einem Herzschlag des Verstehens "Passt auf, dort sind Aufständische!" und zeigte willkürlich in die Menge. Die Bewacher des Gefangenen waren überfordert und rannten überall herum. Die Fluchthelfer aus dem Schiff angelten wörtlich mit einem Haken nach ihrem Hauptmann, doch sie erwischten statt ihm einen Galgen und drohten, daran hängenzubleiben. Moriro sprang auf das Podest, lief im Zickzack zwischen den verbliebenen Wachen hindurch und löste den Haken, nachdem er den Hauptmann gefesselt daran gehängt hatte (zum Glück war dieser nicht weit entfernt gewesen). Dann entkam Moriro durch eine Seitengasse. Das Luftschiff zog seine 'Beute' nach oben und gewann langsam an Höhe. Es stand unter schwerem Pfeil- und Speerbeschuss, aber erhielt scheinbar keine kritischen Schäden, bis es unter Abwerfen von Sandsäcken außer Reichweite gestiegen war. Die kaiserliche Luftflotte war im Moment ja eher auf Hei Seku konzentriert, so dass das wendige (sicher vom Heer geklaute) Rebellenluftschiff eine denkbare Fluchtchance hatte. Also hatte Moriro auch noch den Samurai gerettet, allerdings waren wir beide nun wieder getrennt worden.

Es gelang Moriro, mich wiederzufinden. Um den aufgeschreckten und nun überall nach Rebellen suchenden Wachen nicht ins Netz zu geraten, hatte Moriro sich an einem Stand mit komplett neuer Kleidung ausgestattet und in einer dunklen Gasse umgezogen. Mit einem Vater und seinem Sohn verbanden die Gardisten die Rebellenaktionen ja nicht. Trotzdem wurde alsbald klar, dass wir beide verfolgt wurden.
Unsere Verfolgerin geriet in die Händer zweier Goldröcke, die ihr konspiratives Verhalten allzu verdächtig fanden. Moriro - wohl neugierig über die Motive dieser 'Agentin' - befreite sie aus der Bredouille, worauf sie uns einen gesiegelten Brief übergab. Angesichts der jüngsten Taten Moriros in Chuo hatte er die Aufmerksamkeit der Hohepriesterin Sha-Fo des Großen Tempels der Inari erregt - wie sich wenig später herausstellen sollte, auch die Kontaktperson Yakaos, die Zugang zu hohen Kreisen des Kaiserpalastes besitzt. Der Brief enthielt eine Einladung in den Tempel bei Sonnenuntergang. Vorher beriet sich Moriro erneut mit Yakao, der ihm seinen Schüler Enosuke (genannt Eno) als Unterstützung zur Seite stellte, einen Gelehrten der Geschichtskunde.

Das Gotteshaus entpuppte sich als freizügig und Lusttempel für Anhänger Inaris. Die Hohepriesterin erschien mir außerordentlich jung für ihre Stellung (und recht freizügig gekleidet). Moriro legte mir daher nahe, im Vorraum des Heiligtums zu warten, weshalb ich die Unterredungen zwischen ihm und Eno mit Sha-Fo nicht genau wiedergeben kann.
Am späteren Abend drangen Stadtwachen gewaltsam in den Tempel ein. Moriro und Eno schlugen sich zu mir durch, während Tempelwachen trotz eines offiziellen Durchsuchungsdekretes der Obrigkeit uns unter Einsatz ihres Lebens Luft verschafften. Dank der Hohepriesterin, unserem Einfallsreichtum und dem Beistand Inaris gelang uns durch den mit tödlichen Gewächsen bestandenen Garten des Tempels die Flucht, während Sha-Fo selbst gefangen genommen wurde.

Im ersten Morgengrauen kaufte Moririo uns Plätze in einer Ochsenkutsche, die in einem Vorort Chuos die lange Reise Richtung Wassertempel antrat. Bis dahin hatte ich endlich mitbekommen, dass die Hohepriesterin eine Verschwörung des Hohen Zauberers in Schwarz und Weiß gegen den Tennó aufgedeckt hatte. Der Zauberer übte offenbar unheilvollen Einfluss auf den jungen Kaiser aus; auch dieser dreiäugige Panther namens Saduru, das neue Haustier des Tennó, war der Hohepriesterin im Innersten zuwider. Sie wusste sich in dieser Sache nicht anders zu helfen, als mit dem Amulett der Augen zum Großen Orakel in den Säulen der Welt zu reisen, wobei sie nach vertrauenswürdigen Verbündeten Ausschau gehalten hatte. Da die Ereignisse sich nun überschlugen, hatte sie das Amulett Moriro übergeben und so war zumindest dies nicht in die Hände des Zauberers gefallen. Das Amulett gehört eigentlich der Kaiserlichen Familie und stellt einen Schlüssel dar, um das Orakel um Rat bitten zu können. Sha-Fo hatte den Willen der Kami ausgeführt und das Amulett aus dem Palast gestohlen, um dem Zauberer mit Hilfe des göttlichen Orakels das Handwerk legen zu können. Unter diesen Vorzeichen also begannen wir unsere lange Reise zum Tal des Großen Orakels im fernen östlichen Gebirge.

Das Orakel in den Säulen der Welt


In unserem Ochsenfuhrwerk lernten wir interessante Reisende kennen (zumeist wohlhabendere). Eine Familie brachte ihren Sohn zur Onmyouji-Schule in Enringami, weil er unkontrollierbare magische Fähigkeiten entwickelte. Er hatte sehr seltsame Augen und man konnte wirklich eine übersinnliche Macht um ihn herum spüren; eine Tatsache, die bei Magiekundigen sonst meines Wissens nicht der Fall ist. Er war ähnlich still wie man es mir nachsagt - vielleicht ist das der Grund, warum sich ein zartes Band der Vetrautheit zwischen uns aufbaute. Leider trennten sich unsere Wege an der Kreuzung zum Enringami-Pass.

Am Wassertempel hatten wir eine kurze Zeit des Aufenthaltes. Dieses riesige Bauwerk erweckte mein Erstaunen. Die mächtigen Ströme, die die Stadt am Wassertempel umfließen, werden teilweise durch ihn hindurch geleitet und ergießen sich in gewaltigen Wasserfällen an der Frontseite in einen Kanal, und eine Brücke führt hinüber zu den überdimensionalen Toren. Dies ist seit alters her der Hauptsitz des Hauses Megumi. Ich bin sehr froh, dass in der Stadt Moriro meiner Bitte nachgab und mir ein Tanto besorgte, wie es alle Erwachsenen im Reich der Blüten tragen.

Die Straßen ab hier waren schlechter, der Karren holperte nunmehr schrecklich über unbefestigten Untergrund. Etwa einen Tag vor der Festung Eiketsujó im Blütenwald, die unser nächsten Ziel war, griff uns eine fliegende Drachenkreatur an. Sie flog einige Male dicht über uns hinweg, ohne durch die Schneise im Geäst über der Straße zu uns herunter zu stoßen. Die Ochsen gingen durch und der Kutscher wurde abgeworfen. Moriro hatte die Zügel ergriffen und den Wagen mit Mühe noch so lange geführt, dass mir und den Passagieren der halbwegs sichere Absprung möglich war. Der Karren wurde völlig zerstört. Wir mussten zu Fuß weiter und ließen ob Moriros forderndem Schritt die anderen Reisenden (die sich mit ihrem Gepäck abmühten) schnell zurück.

Eiketsujó selbst ist eine bedrohliche Festung. Selbst zehntausend Krieger wären in ihren endlosen Gängen und Hallen noch wie verloren, sie liegt aber unter einem schrecklichen Fluch, weshalb Haus Megumi sie nicht besetzt hat. Vor vielen hundert Jahren, zur Zeit der Drachenkriege, baute ein lange verstorbener Herrscher die Festung aus Stein und erstaunlich großen Teilen von Stahl und Eisen. Man sagt, dass er hunderte Gefangene und Unschuldige geopfert hat, um mit schwarzer Magie die Festung gegen Verfall und besonders die Hitze des Drachenfeuers zu härten. Sein Plan funktionierte - als der Schwarze Drache angriff, konnte dessen Feuer die Festung nicht vernichten. Doch das Ungeheuer konnte ebenso wenig besiegt werden und flog darauf tagelang Angriffe, bis die Mauern sich unaufhaltsam allmählich erhitzten und die Armee darin gekocht wurde. Aus diesen Gründen sollen die Geister der Gefallenen dort heute noch spuken und den Hass über ihre grausamen Tode an allem Lebenden auslassen. Das Gerücht wird nicht besser, als die Herrscher von Eiketsujó verdächtig schnell wechseln (und so mancher überlebt seine Herrschaft nicht). Die Ortschaft um die Festung ist eine Art größeres Köhler- und Holzfällerdorf, aber es soll in der Gegend auch ertragreiche Minen geben.

Von nun an ging unsere Reise über immer schlechter ausgebaute Wege durch die Wildnis des Blütenwaldes. Am Fuße der westlichen Gebirge der Säulen der Welt in einem Hundert-Seelen-Dorf namens Amutacha rüsteten wir uns ein wenig für den Aufstieg. Wir erfuhren, dass frühere Völker zum Tal des Orakels die “Treppe der eintausendeinhundertundelf Stufen” gebaut hätten. Leider waren die Stufen mit einer Schritthöhe von zwei Spann für mich viel zu hoch – ich empfand es nur als schwachen Trost, dass sie vier Schritte tief waren. Rechts und links der Treppe ragten kleine Obelisken empor, welche eine uralte, grünspandurchsetzte Kette hielten. Stets hatten wir Ausblick auf die Berggrate und Schluchten rings um uns und konnten auf das bewaldete Vorgebirge hinter uns zurücksehen. Ich erinnerte mich an das Geraune der Menschen hier, dass die höheren Gipfel der unglaublich großen Berge, die von der Treppe aus gesehen gar nicht mehr in unserem Blickfeld lagen, die Himmel selbst auf ihren Schultern tragen.
Allerdings bliesen kalte Böen hier oben, die uns den Schweiß des Aufstiegs von Zeit zu Zeit als eisig empfinden ließen. Dann bemerkten wir einen geflügelten Schatten, der über der Kulisse des Waldes in Kreisen höher stieg und zu uns aufschloss!
Moriro verwendete seltsame Magie und begann plötzlich, mit einem Felsen abseits der Treppe zu sprechen. Ich hatte mehrmals erlebt, dass er nicht der zuverlässlichste Zauberer (oder Geweihte?) ist. Aber diesmal antwortete der Fels und rückte gutmütig ein Stück zur Seite, so dass unter ihm ein Spalt entstand. In diesen zwängten wir vier (wenn ich Gonoki jetzt mitzähle) uns und der Fels rutschte dann noch und verkleinerte den Ausgang. Der Fels schien eines eher einfachen Geists zu sein, aber er hatte unsere Situation dafür doch schnell verstanden. Durch einen übrig gebliebenes Loch konnten wir später sehen, dass der Schatten des Drachen ein paar Mal unser Versteck streifte, so tief, dass wir das Rauschen der gewaltigen Schwingen hören konnten. Dieses Monster also schien tatsächlich nicht zufällig in unsere Richtung gekommen zu sein. Aber schließlich flog es offenbar höher und als wir eine Weile nichts mehr sahen, gab der Felsbrock uns Entwarnung. Ihr mögt jetzt vielleicht schmunzeln - ich hingegen war in dieser Situation nichts anderes als äußerst froh darüber, dass Steine in diesem Land manchmal zum Leben erwachen.

Am Abend kam Nebel auf. Wir hatten gerade die Hälfte des Aufstieges hinter uns und erreichten auf einem kurzen Abzweig einen zerfallenen Pavillon, dessen schwere hölzerne Säulen und Streben früher wohl ein nun nicht mehr erhaltenes Dach getragen hatten. Die Dorfbewohner, die selten die Treppe der 1111 Stufen nutzten, hatten hier für Reisende einen großen Haufen Holzscheite hinterlegt gegen kalte Nächte. Da wir keinen anderen für uns Erschöpfte zugänglichen Lagerplatz fanden, entschied Moriro, dass wir den verbliebenen Schutz des Rundbaus nutzen sollten – allerdings wegen der Drachenkreatur mit Holzscheiten über uns gebaut!

Das war zwar überhaupt nicht geeignet gut zum Schlafen, aber ich muss Moriros Vorsicht im Nachhinein danken. Denn in der Nacht hörten wir irgendwann die Schwingen des Monsters, und es ließ sich auf dem starken Pavillongerüst herab, dass ob des Gewichtes verdächtig knarzte. Wir konnten den heißen und nach fauligem Fleisch stinkenden Atem des Menschendrachens in unserem Versteck riechen; und wir alle stimmen darin überein, dass der Drache ein paar mal schnüffelnd Luft einzog und zu mehreren Seiten hin (dem Ächzen der Holzbalken nach) sich witternd wandte. Doch als er uns wieder nicht fand, gab er zum Glück diese Position auf und verschwand in den nächtlichen Nebel.

Am nächsten Tag gerieten wir auf der nunmehr zwischen steilen Schluchten und Berghängen verlaufenden Treppe in ein gewaltiges Unwetter. Es fing mit in dieser Höhe ungewöhnlich warmem Regen an, und steigerte sich zu schneidenden Regenfällen und lebensgefährlich starken Böen, die mich einige Male um ein Haar in den Abgrund warfen. Enosuke schrie uns verzweifelt durch die dichten Regenfäden zu, dieses legendäre Unwetter sei nichts anderes als die 'Himmelstränen', die den Überflug des Himmelsdrachen des Wetters begleiteten, eines sehr heiligen und bedrohlichen Gottes. Doch wir fanden unser Schicksal als endgültig besiegelt vor, als einige Stufen über uns eine bizarre Felsenskulptur sich als das reglos lauernde Drachenmonster entpuppte. Geradezu aus seinen boshaften Augen frohlockend, setzte es zum endgültigen Angriff auf uns an, als auf einmal ein gleißender Blitz den Hang traf. Geröll wurde freigesetzt und vor seinem ersten Schwingenschlag wurde der Menschendrache von einer Lawine erfasst und ins Tal gerissen.
Vor Freude jubelnd war es uns - sogar von nur wenig liegen gebliebenem Geröll behindert - möglich, unseren Weg unversehrt fortzusetzen und zudem ließ das Unwetter langsam nach. Von dem monströsen Angreifer jedoch fanden wir beim Vorbeisteigen nicht mehr als eine Schleifspur den steilen Abhang hinab.

[Hier fehlt ein größerer Teil der Erzählung]

Ankunft in Hinamizawa


2. Blütentag Neuermond 1. Jo:
Zuerst sahen wir die Reisfelder, die ein flaches Tal in den Wäldern ausfüllen. Dann wurden wir auch schon von den ersten Dorfbewohnern begrüßt, die erst einmal annahmen, wir hätten den falschen Weg genommen. Das letzte Stück des Weges gingen wir dann mit einigen Dorfbewohnern, die sehr neugierig auf die Fremden waren, die zu Meister Manamura wollten. Toda hatte unsere Ankunft schon bemerkt und erwartete uns am Gasthaus – in dem wir einfache, aber gute Zimmer zu günstigen Preisen nahmen.

Manamura-sensei

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Beim anschließenden Besuch bei Manamura-sensei erfuhren wir, dass er Deastash kann und auch lehrt, jedoch keine Schriften übersetzt. Nur derjenige ist dieses Wissens würdig, der auch die Mühen auf sich nimmt, Deastash selbst zu lernen. Er sagte uns zu, uns als Schüler aufzunehmen, wenn wir nach zwei Tagen immer noch dieser Meinung seien. Wir hatten Glück, da genau dann das nächste Semester für alle seine Schüler beginnen würde.
Schon am selben Abend wurden wir uns einig, dass dies der richtige Weg für uns, und vor allem für Satoichi sein könnte.
Am nächsten Tag hatten wir Zeit, uns von der Reise zu erholen, und ließen uns von dem Wächter des Dorfes, Rushi-san, in die Liste der Bürger eintragen. Am Sonnentag trainierten wir noch zusammen.
3. Mondtag: An unserem ersten Schultag lernten wir außer Manamura-sensei auch noch andere seiner Schüler näher kennen. Alle seiner vielleicht 20 Schüler waren zwischen 16 und 25, und als einfache Leute hatten sie auch noch andere Pflichten, so dass die Schule nicht den ganzen Tag ausfüllte.
Manamura-sensei stellte uns auch seine erste Schülerin vor, Mion.

Mion

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Mion: Manamura machte deutlich, dass er Mions Rat große Beachtung schenkt. Mion ist außerdem noch die Anführerin ihrer Clique, zu der noch Rika, Sato und Batori gehören. Mion aus dem Haushalt Sonozaki kann jagen, bogenschießen und kochen, ist geschickt und selbstsicher und war uns gegenüber recht aufgeschlossen.

So lernten wir am ersten Tag nicht nur, wie unglaublich komplex und schwer Deastash ist, sondern auch noch Mion und ihre Freunde kennen.
Wir merkten auch, dass durch uns neue der Sensei nicht mehr soo viel Zeit für die anderen hat - und so wurde uns schon am ersten Tag ein Streich gespielt. Doch Dank unserer wachsamen Sinne konnten wir den Wassereimer über der Tür entdecken, und Sato als "Fallensteller" identifizieren. So hatten wir auch diesen Test überstanden, und wurden von Mion und Batori für den nächsten Abend zur Jagd eingeladen.

Sato

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Sato: Sato aus dem Haushalt Houjou spielt gerne kleine Streiche, wohnt bei Rika im Haus des Furude-Schreins.

3. Muttertag: Am Abend folgten wir der Einladung zur Jagd mit Mion und Batori. Hier erfuhren wir auch von Batoris dringendem Wunsch, ein kleines Reh zu fangen und es dann aufzuziehen.

Batori

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Batori: Er stammt ursprünglich aus Eketsujo, aus dem Haushalt Ryugu. Er kann den wahren Kampf, jagen und trägt eine Machete bei sich (eigentlich verboten). Nahm gerne Todas Hilfe beim Fallenstellen an.

Die Jagd endet erfolgreich mit einem von Mion erlegten Reh.

3. Feuertag: Wir erhalten eine Einladung zum Essen im Freien und erkunden die Umgebung.

3. Wassertag: Nach der Schule trafen wir uns wieder mit Mions Freunden, dieses mal am Platz vor dem Furude-Schrein. Furude ist der Kami des Hügels im Dorf, er schenkt eine gute Aussicht. Hier hatten Mion und Furude Rika uns auf ein vorzügliches Abendessen eingeladen.

Rika

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Rika: Furude Rika wohnt mit Sato im Haus des Furude Schreins, ist Priesterin, albino und mit 25 Jahren die älteste Schülerin.

Nach dem Essen stürmte Batori, beflügelt von der Idee das Reh zu fangen, nochmal in den Wald. Wir folgten etwas später, nachdem wir uns bei Mion und Rika bedanken konnten. Im Wald fanden wir Batori nicht sofort, dafür trafen wir Tomitake, einen Waldläufer. Durch ihn erfuhren wir, dass hier im Wald schon einmal ein Gesandter des Hauses Megumi ums Leben gekommen sei, der die Dorfbewohner an einen günstigeren, nicht so abgelegenen und damit von Yokai bedrohten Ort umsiedeln wollte. Ein Arm wurde noch nicht gefunden.

Tomitake-san

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Tomitake-san: Waldläufer

Bevor wir darauf näher eingehen konnten, fand uns Batori und die Falle war wieder das Hauptthema.

3. Blütentag: Am Morgen dieses Tages erfuhren wir, dass jetzt die "Prüfung Furudes" bevorstand. Sie sollte offenbaren, ob Furude unsere Lehre befürwortet. So mussten wir (allerdings keine anderen Schüler...) auf Holzpfählen, die immer nasser und rutschiger wurden,möglichst weit kommen. Zum Glück schnitten wir hier allerdings sehr gut ab. Mion schaffte es ganz (sie hatte wohl auch Übung).

3. Reichstag: Einen Tag in der Woche finden in der Schule Übungen zum wahren Kampf statt, Batori und Toda sind hier die Besten.

3. Sonnentag: Freier Tag. Das Dorf bereitet sich auf das Watanagashi-Fest vor.